Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

04. Jul 2018

Ein Artikel von Jürgen Klute (u.a. Mitglied des Europäischen Parlaments von 2009 - 2014), den "der Freitag" auf seiner Website hat, stellt die These auf, dass weniger die Zuwanderung von Flüchtlingen als vielmehr die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen aus einer Region (der so genannte Brain Drain) den Populismus und rechte Parteien in dieser Region fördert.

Er argumentiert, dass wegen der Abwanderung in der Folge erst die private und dann auch die staatliche Infrastruktur (Geschäfte, Nahverkehr, Ärzte, Ämter, Polizei etc.) zurückgebaut wird, womit natürlich auch Arbeitsplätze, die dort ohnehin schon dünn gesät sind, wegfallen. Die wenigen Dagebliebenen werden dann auch kaum noch von der Politik wahrgenommen, was zu einem Gefühl des Allein-Gelassen-Werdens und zu verstärkter Angst vor Konkurrenz durch zugewanderte Flüchtlinge um diese wenigen Arbeitsplätze, sozialen Leistungen usw. führt. Die populistischen Parteien, speziell die am rechten Rand, instrumentalisieren das und können profitieren, weil sie als Opposition keine konkreten Lösungen umsetzen müssen.

Ich konnte das sehr gut schon vor der Flüchtlingskrise z.B. in Ostvorpommern beobachten, wo bei den Kommunalwahlen 2009 die NPD in einigen Wahlkreisen auf 17 Prozent kam. Der Großteil der Bevölkerung dort war (und ist bis heute) entweder über 60 oder unter 20, Jobs sind in der landwirtschaftlich geprägten Region Mangelware und die einzigen Politiker, die dort regelmäßig in den Dörfern auftauchten, von der NPD. Es brauchte keine Konkurrenz durch Ausländer (die dort ohnehin quasi nicht vorhanden waren), um die Bevölkerung um ihre ohnehin schon extrem bescheidene Existenz fürchten zu lassen. So fielen die Lügen und leeren Verprechungen der Populisten dort natürlich auf fruchtbaren Boden. Und das ist heute mit der Flüchtlingskrise und der AfD, die einfache, schnelle Lösungen verspricht, nicht anders.

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