Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest
20. Apr 2020

Es gibt Anzeichen, dass COVID-19 noch deutlich problematischer ist, als anfangs angenommen. Offenbar kann die Krankheit selbst bei leichten oder symptomlosen Verläufen Veränderungen in der Lunge hervorrufen, die möglicherweise sogar permanent sind und die Sauerstoffaufnahme erschweren, was zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff im Blut (und selb bei scheinbar Gesundeten zu einem hohen Unfallrisiko) führt. Gleichzeitig scheint es bei künstlicher Zuführung von Sauerstoff zu schweren Problemen kommen. Außerdem scheint auch noch das Herz geschädigt zu werden. Die Berichte stammen nicht von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern oder fachfremden Pseudoexperten, sondern von Medizinern, die in den entsprechenden Abteilungen der Krankenhäuser arbeiten. Und diese Leute sind nach ihren eigenen Worten entsetzt über das Ausmaß der Schäden und Folgen.

Trotz dieser Berichte und mittlerweile 5000 Toten in weniger als 3 Monaten kann sich die Bundesregierung selbst mit Beweisen für die Schutzwirkung selbst einfacher Masken nicht dazu durchringen, eine Maskenpflicht anzuordnen. Zudem sind seit heute die Lockdown-Maßnahmen gelockert. Viele Leute reagieren so, als wäre die Pandemie schon überstanden, inklusive mehr oder weniger subtilem psychologischem Druck, doch endlich das "normale" Leben inklusive Schopping und Arbeit in geschlossenen Räumen ohne ausreichenden Abstand, Lüftung etc. wieder auf zu nehmen.

Offenbar reicht die geistige Kapazität bei vielen Leuten nicht aus, das Problem und die Folgen für unsere Gesellschaft zu überblicken, wichtig sind nur Spaß und Geld.

Ich bin mal gespannt, wie die Infektionszahlen in drei Wochen aussehen.

Nachtrag: COVID-19 läuft offenbar auch in den Blutgefäßen Amok und verursacht Entzündungen, die die Gefäße schädigen und zu Multiorganversagen führen. Außerdem zerstört wohl auch noch das Hämoglobin im Blut, mit der Folge, dass selbst Beatmung mit Sauerstoff bei Patienten den Sauerstoffgehalt im Blut kaum steigert.

Nachtrag: Es es gibt auffällig viele Schlaganfälle bei Leuten unter 50 mit COVID-19, etwa sieben mal so viele wie im Durchschnitt für das Alter.

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06. Apr 2020

Sehr schönes Video, in dem Epidemien statistisch simuliert werden und das gut erklärt, welche Maßnahmen welchen Effekt haben (englisch, mit dt. Untertiteln).

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02. Apr 2020

In den letzten Wochen ist mir wieder einmal aufgefallen, wie sehr Politiker und Leute, die es besser wissen sollten, gewillt sind, sich Fakten und Argumente zurecht zu biegen, wie es ihnen gerade in den Kram passt.

Beispiel 1: Die Diskussion, ob das "normale Leben" so bald wie nur irgend möglich wieder los gehen könne.

Als ein Argument dafür wird angegegeben, dass die Wirtschaft ja sonst Schaden nehmen könnte. Berechnungen zeigen, dass die Wirtschaft um ca 5% schrumpft, wenn die aktuellen Maßnahmen noch ein paar Wochen anhalten. Das wird als Riesenproblem gesehen. Wenn man sich das mal im Detail ansieht, was da gefordert wird, entsteht ein Bild, das mir nicht behagt.

Zum Einen wird das Wirtschaftswachstum damit über die Gesundheit der Bevölkerung gestellt, denn mit Sicherheit werden auch in einigen Wochen noch genügend Infizierte herumlaufen und andere Leute anstecken, bei gleichzeitig kaum vorhandener Immunität, weil bis dahin nur ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung COVID-19 durchgemacht haben wird. Da steht dann also gleich die nächste Riesenwelle an Infektionen vor der Tür, die wieder Menschen das Leben kosten wird. Die Folge wird sein, dass zig Firmen die Türen schließen müssen, weil nun ihre Mitarbeiter alle krank sind und den Rest gleich noch mit angesteckt haben. Das wird dann auch den Teil betreffen, der momentan im Homeoffice ist und dann eventuell wieder im Büro arbeiten muss.

Zum Anderen ist die Wirtschaft in den letzten Jahren (mindestens seit der letzten Krise) jedes Jahr gewachsen und hat mittlerweile ein Level erreicht, das schlicht ungesund ist, weil die ebenfalls immer weiter gewachsene Exportorientierung der deutschen Wirtschaft uns international langsam aber sicher isoliert und in die Abhängigkeit von den Märkten anderer Weltregionen drängt. Eine Gesundschrumpfung erscheint da nicht falsch.

Nun könnte man anmerken, dass die aktuellen Maßnahmen hauptsächlich die Selbständigen und kleinen Unternehmen in der Dienstleistungsbranche trifft. Auch das ist richtig, aber wenn wir es uns leisten können, Milliarden Euro an Konzerne mit lächerlichen Steuersätzen zu verschenken oder Banken zu retten, die sich sehenden Auges und aus purer Gier verzockt haben, dann sollten wir auch in der Lage sein, die Selbständigen und Kleinunternehmer über Wasser zu halten.

Ebenfalls gern angebracht wird, dass man die Leute ja nicht ewig einsperren kann. Das ignoriert aber völlig den Fakt, dass wir eben keine Ausgangsperren haben und jeder durchaus raus kann. Nur der enge Kontakt zu Anderen ist in der Öffentlichkeit untersagt. Jeder kann sich seine Freunde nach Hause einladen (was ich unverantwortlich fände) oder zum Spazieren oder für Sport raus gehen, wann immer er will. Das Problem scheint für mich eher darin zu bestehen, dass viele Leute nicht in der Lage sind, sich mal mit sich selbst zu beschäftigen, und erwarten, dass die Politik nun dafür sorgt, dass sie wieder bespaßt werden. Auch hier wird ignoriert, wie Infektionen funktionieren. Hauptsache, jeder hat seinen Spaß, ob andere verrecken, ist egal.

Beispiel 2: Masken tragen.

COVID-19 wird überwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen, also durch Tröpfchen gefüllt mit Viren, die beim Husten und selbst beim Sprechen und Atmen in die Luft geblasen werden. Und das gilt nicht nur für COVID-19 sondern für fast alle Krankheiten, die irgendwie den Atemtrakt betreffen, von der simplen Erkältung über die Grippe bis hin zu Tuberkulose und anderen Krankheiten. Jemand mit einer einfachen Erkältung kann parallel mit COVID-19 infiziert werden, und das kann dann sehr schlimme Folgen haben, die ohne die Erkältung nicht aufgetreten wären.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass selbst einfache Stoffmasken Andere zu einem gewissen Grad davor schützen können, mit den Krankheiten des Trägers infiziert zu werden, weil nicht die komplette Umgebung des Trägers sofort verseucht wird.

Trotzem wird immer wieder das Argument gebracht, dass die einfachen Masken den Träger ja nicht vor Infektionen schützen können. Aber das Argument ist geradezu bösartig falsch, denn solange eine Maske trocken ist und nur einmal für wenige Stunden getragen wird, bevor sie gereinigt wird, solange schützt sie auch bis zu einem gewissen Grtad vor Infektionen, wenn auch nicht so gut wie eine N95-Maske oder auch nur eine OP-Maske. Aber schon eine nur um 25% verringerte Chance, sich etwas zu zu ziehen, ist besser als nichts.

Problematisch wird das besonders dann, wenn selbst Virologen diese Fake-News in den Medien verbreiten. Der durchschnittliche Leser oder Zuschauer weiß in der Regel nicht zwischen Virologen (deren Wissen sich auf die Eigenschaften von Viren an sich bezieht) und Epidemiologen (deren Fach die Ausbreitung von Krankheiten ist) zu unterscheiden, und glaubt ersteren daher auch vorbehaltlos diese Falschinformation. Das ganze wird sehr schön hier auseinandergenommen.

Man will also keine Maskenpflicht einführen oder auch nur das Tragen einer Maske empfehlen, weil ohnehin schon zu wenig der höherwertigen Masken vorhanden sind und man die Versorgung derjenigen, die sie wirklich brauchen, nicht gefährden will. Teilweise wird dann gebetsmühlenartig wiederholt, dass selbstgenähte Stoffmasken nicht helfen (was, wie daregelegt, falsch ist) und scheut aus Angst vor negativen Reaktionen davor zurück, zu tun, was nötig ist, um die Risiken zu senken. Auch hier wird in der letzten Konsequenz aber wieder mit dem Leben vieler Menschen gespielt, nur weil die eignene Position nicht gefährdet werden soll. Ohne Impfung oder Medikamente und ohne Wissen darüber, was eine Infektion mit dem Coronavirus langfristig für den Patienten bedeutet, also ob eventuell Langzeitschäden zurückbleiben, ist es grob fahrlässig, auch nur die kleinste Chance, Infektionen zu verhindern, nicht zu ergreifen.

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